Diploglossus lessonae - Blue Eyed Ball

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Diploglossus lessonae

Unsere Schleichen

Diploglossus lessonae (Brasilianische Gallwespenschleiche) gehört zu der Ordnung Schuppenkriechtiere (Squamata), der Familie Schleichen (Anguidae) und der Unterfamilie Doppelzungenschleichen. Sie ist verwandt mit unserer einheimischen Blindschleiche (Anguis fragilis).

Diploglossus lessonae kommen im Nord-Osten Brasiliens vor, wo sie vermutlich in der Falllaubschicht der Wälder leben. Sie ernähren sich kornivor; als Nahrung dienen Gliedertiere, Würmer und Schnecken. Aufgrund ihres Körperbaus (wenig ausgeprägte Extremitäten) und auch durch eigene Beobachtungen können wir feststellen, dass ihre Fortbewegung einem "Schwimmen" durch das lockere Substrat gleicht und eine grabende Lebensweise eher ausgeschlossen werden kann. Interessant ist, dass Diploglossus lessonae ihre Exuvie (abgestreifte Haut) frisst, was auf eine nährstoffarme (mineralienarme) Umgebung schließen lässt. Von einem befreundeten Terrarianer (danke nochmal Eric) haben wir die Information bekommen, dass in der Literatur (Reproductive Biology of South American Vertebrates v. William C. Hamlett; Herpetology: An Introductory Biology of Amphibians and Reptiles v. Laurie J. Vitt and Janalee P. Caldwell) eine Trockenzeit erwähnt wird und die Geburt der Jungtiere in die anschließende Regenzeit fällt. Hier wird auch ein Zusammenhang zwischen der auffallenden Zeichnung der Jungtiere und der im selben Lebensraum vorkommenden giftigen Invertebraten hergestellt (Mimikry).

Im August 2015 übernahmen wir vier tschechische Nachzuchten dieser hübschen Art, welche zu diesem Zeitpunkt ca. drei Monate alt waren. Das Gewicht betrug etwas über vier Gramm. Im September des selben Jahres kamen nochmals zwei geschlechtsunbestimmte ca. 2,5 Jahre alte Diploglossus hinzu.

Im deutschsprachigen Raum sind kaum Hinweise zur Haltung zu finden. Wir hatten sie alle vorerst in einem Racksystem untergebracht. Optisch ist dies natürlich unschön, jedoch herrschen dort hygienisch und klimatisch perfekte Verhältnisse. Mittlerweile bewohnen sie Terrarien. Diese werden mit Niedervoltaufbaustrahlern beleuchtet und temperiert. Auf UV-Licht verzichten wir. Tagsüber liegen die Temperaturen durchschnittlich bei 26 - 30 °C (Temperaturgradient). Nachts sinken die Temperaturen auf Zimmertemperatur (ca. 22 °C). Als Bodengrund verwenden wir Kokoshumus, der mäßig feucht gehalten wird. Die Einrichtung ist eher spartanisch. Außer einer Trinkwasserschale und auf dem Substrat liegende Presskorkplattenstücken (bevorzugter Aufenthaltsort der Diploglossus) befinden sich keine weiteren Einrichtungsgegenstände im Terrarium. Alternativ zum Presskork kann man das Terrarium natürlich auch mit Eichenlaub oder Ähnlichem dekorieren.

Wie bereits erwähnt, ernähren sie sich kornivor. Wir warnen davor, Diploglossus lessonae zu einseitig zu ernähren. Wir haben anfangs hauptsächlich Heimchen verfüttert. Vermutlich führte dies dazu, dass sich bei einigen Tieren eine buckelförmige Wölbung am Rücken bildete bzw. sich der Rücken S-förmig verformte. Daraufhin erweiterten wir das Nahrungsspektrum. Wir bieten verstärkt Tauwürmer bzw. Tauwurmstückchen an, die auch gut von den Diploglossus angenommen werden. Seltener bieten wir Mehlwürmer an, die auch von den meisten unserer Tiere gefressen werden. Die Nahrungspalette beinhaltet weiterhin Wachsmaden und Kellerasseln. Eine Erklärung für die Deformation könnte sein, dass Heimchen aus Fett, Chitin und wenig Eiweiß besteht, ein Tauwurm hingegen zu einem überwiegenden Teil aus Eiweiß. Da Diploglossus einen muskulösen schlangenähnlichen Körper besitzen, kann ein Mangel an Eiweiß, das zum Muskelaufbau benötigt wird, zu diesen Deformationen führen. Fazit: Nach unseren bisherigen Erkenntnissen sollte der Schwerpunkt der Fütterung bei Tauwürmern liegen. Vermutlich stellen Würmer auch die Hauptnahrungsquelle in ihrem natürlichen Lebensraum dar. Nach Umstellung der Fütterung auf verstärkt Tauwurm, bildeten sich die "Missbildungen" bei den Diploglossus zurück. Wir supplementieren die Futtertiere hin und wieder mit Korvimin ZVT, jedoch nicht in dem Umfang, wie bei unseren Geckos: Tauwürmer werden nicht supplementiert, Mehlwürmer und Heimchen bei jeder zweiten Fütterung (also ca. ein Mal wöchentlich).

Es stellte sich heraus, dass die beiden 2,5 Jahre alten Diploglossus lessonae ein Männchen und ein Weibchen sind. Das Männchen hat einen intensiver gefärbten roten Bauch als das Weibchen. Außerdem ist das Weibchen geringfügig größer und hat eine dunklere Rückenzeichnung. Ein eindeutiges Merkmal zur Geschlechtsunterscheidung bei geschlechtsreifen Diploglossus lessonae ist, dass das Männchen - im Gegensatz zum Weibchen - links und rechts der Afterregion jeweils einen kleinen "Dorn" besitzt. Wir konnten beobachten, dass das Männchen das Weibchen mit einem "Paarungsbiss" in der Nackenregion bis zu 24 Stunden fixiert hat. Diploglossus lessonae ist ovivipar (eilebendgebärend). Die Jungtiere haben eine schwarz-weiße Querbänderung, die Umfärbung beginnt mit einem Alter von ca. 6 Monaten. Den rot-gefärbten Bauch haben sie jedoch von Geburt an. Bei einer durchschnittlich guten Fütterung nehmen die Jungtiere ca. 3 bis 4 Gramm im Monat zu.

Nun - einige Monate später - wissen wir, dass mindestens eine erfolgreiche Paarung (am 06. und 16. Oktober 2015 dokumentiert) stattgefunden hat. Am 03. März 2016 brachte das Weibchen drei Junge zur Welt, wovon eines unmittelbar nach der Geburt starb. Das verstorbene Jungtier besaß noch einen recht großen Dottersack. In der Nacht vom 05. zum 06. März 2016 brachte das Weibchen ein weiteres Junges zur Welt. Daraus schließen wir, dass die Tragzeit ca. 150 Tage beträgt. Die Jungtiere hatten ein Geburtsgewicht zwischen 1,8 und 2,6 Gramm.

Bei der Geburt des letzten Jungtieres waren wir anwesend und konnten dies mit Fotos dokumentieren. Nachdem sich das Junge noch im Terrarium vom Amnion (Eihaut) befreit hatte, wurde es von uns umgehend in die zukünftige Aufzuchtdose umgesetzt. Dort mussten wir mit Erstaunen feststellen, dass sich das Jungtier aktiv in den noch mit der Nabelschnur verbundenen Dotter verbiss und ihn von dieser abriss, um ihn danach vor unseren Augen genüßlich zu verspeisen.

 
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